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Analysis: Telecom Liechtenstein AG

Published: July 1, 2014; 18:45 · (Vindobona)

Telecom Liechtenstein AG ist eine Aktiengesellschaft liechtensteinischen Rechts mit Sitz in Vaduz. Die TLI war bisher zu 100 % im Eigentum des Fürstentums Liechtenstein. Nun hat A1 Telekom Austria (mit Mobilkom Liechtenstein) 24.9 Prozent der Anteile übernommen.

Vaduz Castle, overlooking the capital, is home to the Prince of Liechtenstein / Picture: © Wikipedia / Mschlindwein

Telecom Liechtenstein AG (auch Telecom FL, Abkürzung: TLI) ist eine Aktiengesellschaft liechtensteinischen Rechts mit Sitz in Vaduz.

Die TLI war bisher zu 100 % im Eigentum des Fürstentums Liechtenstein. Nun hat A1 Telekom Austria (mit Mobilkom Liechtenstein) 24.9 Prozent der Anteile übernommen.

Gemäß Art 78 Abs 4 LV iVm Art 10 TLIG steht die Telecom Liechtenstein unter Oberaufsicht der Regierung des Fürstentums Liechtenstein. Die Eignerinteressen werden ebenfalls von der Regierung vertreten.

Die TLI erbringt Dienstleistungen der elektronischen Kommunikation im Sinne des Kommunikationsgesetzes in Liechtenstein und der Schweiz.

Die TLI beschäftigte zum 31. Dezember 2012 in Liechtenstein 104 Mitarbeiter und in der Tochtergesellschaft deep AG in Chur 24 Mitarbeiter. Der konsolidierte Umsatz betrug im Jahr 2012 CHF 50.6 Mio.

Rechtliche Grundlage

Die rechtliche Grundlage für die Telecom Liechtenstein basiert auf dem Gesetz vom 25. November 2010 über die Telecom Liechtenstein AG (TLIG), LGBl 3/2011. Auf die TLI sind, soweit das TLIG keine abweichenden Bestimmungen enthält, ergänzend die Vorschriften des Gesetzes über die Steuerung und Überwachung öffentlicher Unternehmen und des Personen- und Gesellschaftsrechts zur Anwendung zu bringen.

Technische Aufgaben

Festnetz, Internet, Mobile Telefonie, Radio und TV, Connecta-Kombis, Telecom Center.

Organisation

Organe

Die Telecom Liechtenstein und deren Tochtergesellschaften bestehen je aus folgenden Organen:

- Generalversammlung der Aktionäre,
- Verwaltungsrat,
- Geschäftsleitung,
- Revisionsstelle.

Generalsversammlung

Hauptaufgaben der Generalversammlung in ordentlichen bzw. außerordentlichen Versammlungen sind die Festsetzung und Änderung der Statuten, die Wahl und Abberufung des Verwaltungsrates sowie die Genehmigung des Jahresberichtes und der Jahresrechnung.

Der Vorsitz in der Generalversammlung wird vom Präsidenten des Verwaltungsrates geführt.

Verwaltungsrat

Der Verwaltungsrat besteht aus drei, maximal fünf, Mitgliedern und wird von der Generalversammlung auf vier Jahre gewählt. Mitglieder des Verwaltungsrates können maximal zwei Funktionsperioden berufen werden, der Präsident maximal zweieinhalb Funktionsperioden.

Der Verwaltungsrat ist das operative Organ der Telecom Liechtenstein und handelt in der Regel als Kollektivorgan. Der Verwaltungsrat trifft die grundlegenden Entscheidungen über die Tätigkeit der Gesellschaft.

Haupttätigkeit des Verwaltungsrates ist die Oberleitung, Aufsicht und Kontrolle der gesamten Geschäftstätigkeit und er führt die Beschlüsse der Generalversammlung aus. Der Verwaltungsrat kann bei Bedarf Richtlinien erlassen. Der Verwaltungsrat ernennt und entlässt die Mitglieder der Geschäftsführung, Prokuristen und Bevollmächtigte (auch bei den Tochtergesellschaften).

Hauptpflicht des Verwaltungsrates im normalen operativen Geschäft ist die Berichterstattung an die Generalversammlung über wichtige Belange der Gesellschaft und ausserordentliche Vorkommnisse.

Der Verwaltungsrat ist in der Regel mit der Mehrheit der Mitglieder beschlussfähig und fasst die Beschlüsse mit der einfachen Mehrheit der Stimmen (mit wenigen Ausnahmen). Der Verwaltungsrat kann bestimmte Teile seiner Befugnisse auf eines oder mehrere seiner Mitglieder übertragen, kann Ausschüsse oder Beiräte bestellen und deren Rechte und Pflichten in einem eigenen Reglement festlegen.

Der Verwaltungsratspräsident der Telecom Liechtenstein ist derzeit Markus Willi aus Triesen.

In Sitzungen hat der Präsident des Verwaltungsrates den Stichentscheid. Er bestimmt auch einen Sekretär.

Geschäftsführung

Die Anzahl der Mitglieder der Geschäftsführung und eines Vorsitzenden wird vom Verwaltungsrat festgelegt und bestellt / wiedergewählt. Die Organisation der Geschäftsführung ist in einer Geschäftsordnung festgelegt.

Hauptaufgabe der Geschäftsführung ist die Leitung der operativen Geschäfte zum Wohl des Unternehmens. Die Geschäftsführung vertritt die Gesellschaft nach außen, soweit dies der Verwaltungsrat nicht anders bestimmt.

CEO der Telecom Liechtenstein ist langjährig Frank Boller.

Revisionsstelle

Die Revisionsstelle (Kontrollstelle) prüft die Geschäfte der Gesellschaft. Diese wird von der Generalversammlung jährlich ernannt und können eine oder mehrere natürliche oder juristische Personen sein.

Organisationsreglements

Die Tätigkeit, die Aufgaben und die Kompetenzen der Organe der Telecom Liechtenstein sowie der Tochtergesellschaften werden gemäß Art 1 des Organisationsreglements vom Verwaltungsrat der Telecom Liechtenstein und deren Statuten (Art 15 und 17) geregelt. Das Organisationsreglement wurde am 30. Juni 1998 erlassen und am 14. Dezember 2010 ersetzt.

Der Verwaltungsrat erlässt auch die Geschäfts- und Zuständigkeitsordnung und eine Corporate Governance Regelung.

Infrastruktur

Die Infrastruktur für das Telekom-Netz ist nicht im Eigentum der Telecom Liechtenstein. Dieses gehört seit 2006 den Liechtensteinischen Kraftwerken (LKW), um das „Ziel einer vertikalen Separierung und Konzentration von Dienstleistungserbringung bei der LTN/TFL und Infrastrukturbereitstellung“ bei den LKW zu erreichen.

Verkaufspläne

Liechtenstein hatte sich 1997 mit der Festnetzkommunikation, nach jahrzehntelanger Anbindung, von der Swisscom getrennt und mit der Telecom Liechtenstein ein eigenes Telecom-Unternehmen gegründet.

Im Frühjahr 2013 wurde von der Regierung ein Verkauf der Telecom Liechtenstein an die Swisscom offen lanciert. Ursache für den Verkauf waren angeblich die sinkenden Erträge im Bereich der Festnetztelefonie verbunden mit fehlender Kompensationsmöglichkeiten für weggebrochene Erträge und der generell begrenzte Markt eines Kleinstaates. Der Verkauf einer 75-Prozent-Beteiligung hätte eine Reintegration der Liechtensteiner Telecom in die Swisscom bedeutet und den Stand von 1997 wieder weitgehend hergestellt. Für etwa 50 bis 60 Mitarbeiter wäre dieser Wechsel mit dem Verlust der Arbeitsplätze verbunden gewesen (rund die Hälfte der Belegschaft).

Die Swisscom hatte für diesen Wiederanschluss CHF 23 Millionen geboten.

In der Mai-Sitzung befasst sich der Landtag (Liechtensteiner Parlament) ein erstes Mal mit dem Verkauf. 13 der 25 Abgeordneten des Landtages (52 %) stimmten gegen die Pläne der Regierung und die Übernahme durch die Swisscom.

Swisscom ist, wie auch die A1 Telekom Austria (mit Mobilkom Liechtenstein), weiterhin als Mobilfunkanbieter in Liechtenstein präsent.